Inklusiver Kinderschutz: Wie Sie junge Menschen mit Beeinträchtigung aktiv am Einrichtungsschutzkonzept beteiligen

Erstellt

Thema Kinderschutz

von Barbara Brecht-Hadraschek

Ein Junge mit Beeinträchtigung lächelt eine Erzieherin an.

Neue kostenlose Praxisempfehlung mit barrierefreien Methoden & METACOM-Symbolen (© Annette Kietzinger) für Kita und Schule.

Kinder- und Jugendschutz ist unteilbar. Er gilt uneingeschränkt für ALLE jungen Menschen. Für pädagogische Fachkräfte im inklusiven Bereich, in Kitas, Schulen, Horten oder an einem Förderzentrum gehört die Gestaltung sicherer Räume und einer Kultur der Achtsamkeit zum Kernauftrag. Doch genau hier stehen Teams oft vor einer besonderen Herausforderung: Wie beziehen wir Kinder und Jugendliche mit komplexen Beeinträchtigungen wirksam, barrierearm und auf Augenhöhe in die Erstellung eines institutionellen Schutzkonzeptes ein?

Studien und alltägliche Praxiserfahrungen zeigen deutlich, dass junge Menschen mit Beeinträchtigung wesentlich häufiger von psychischer, körperlicher und sexueller Gewalt betroffen sind als Gleichaltrige ohne Beeinträchtigung. Umso dringlicher ist es, sie nicht nur als reine Schutzbefohlene zu sehen, sondern sie als aktive Akteur*innen in den gesamten Schutzprozess einzubinden.

Da klassische Entwicklungsprozesse bisher stark auf die verbale Auseinandersetzung fokussiert sind, hat eine fachübergreifenden Arbeitsgruppe der tandem BTL intensiv an einer niedrigschwelligen Alternative gearbeitet. Ein herzliches Dankeschön an alle Mitglieder der AG für die gute Zusammenarbeit und das tolle Ergebnis!

Das Ergebnis aus der Praxis: Unsere neue Praxisempfehlung steht bereit!

Wir freuen uns sehr, Ihnen die erarbeitete Handreichung ab sofort auf unserer Website kostenfrei zur Verfügung zu stellen:

Jetzt die Praxisempfehlung kostenfrei herunterladen

Fokus: Inklusiver Kinderschutz & Partizipation in Förderzentren

Die vorliegende Praxisempfehlung fokussiert sich auf vier fundamentale Themenfelder, um den Prozess greifbar zu machen:

  1. Rahmenbedingungen: Zielgruppengerechte Angebote, Räumlichkeiten und Personalstrukturen.
  2. Teamkultur: Etablierung einer lebendigen Kultur der Achtsamkeit.
  3. Nähe und Distanz: Sensibilisierung für professionelle Grenzen im inklusiven Alltag.
  4. Macht und Machtstrukturen: Reflexion asymmetrischer Beziehungen zwischen Fachkräften und Kindern.

Die Entwicklung eines Schutzkonzeptes ist ein langfristiger Beteiligungsprozess über mehrere Monate oder Jahre – gefolgt von einer dauerhaften, lebendigen Verstetigung im pädagogischen Alltag.

Barrierefreie Methoden: Einfache Sprache und METACOM-Symbole

Viele junge Menschen mit Beeinträchtigung erfahren im Alltag häufig, dass Abhängigkeit scheinbar „normal“ ist. Sie sind im hohen Maße auf die Begleitung, die Übersetzung, die feine Beobachtungsgabe und das Wohlwollen ihrer Mitmenschen und somit von uns Fachkräften angewiesen. Um die Signale und individuellen Einschätzungen der Kinder zu verstehen, braucht es eine tragfähige Beziehung und echten Kontakt. Genau hier setzt unsere Handreichung an: Alle aufgeführten Methoden sind konsequent in Einfacher Sprache verfasst und/oder mit METACOM-Symbolen (© Annette Kietzinger) visuell dargestellt.

Wichtige Voraussetzung für die Praxis: Um in dieser Form barrierearm arbeiten zu können, braucht es Fachkräfte, die in Unterstützter Kommunikation (UK) ausgebildet sind und mittels Modelling in den Dialog mit den jungen Menschen treten können. Darüber hinaus sollten im Team stets weitere Kommunikationsformen wie die Deutsche Gebärdensprache (DGS) oder Gebärdenunterstützte Kommunikation (GuK) geprüft werden.

Qualitätsüberlegungen: Wer begleitet den Schutzprozess?

Den Begleitpersonen kommt eine zentrale Mittler*innen-Rolle zu. In der Fachwelt wird oft gefordert, dass Risikoanalysen niemals von internen Fachkräften durchgeführt werden sollten, um hausinterne Schweigegebote nicht zu verlängern. In der inklusiven Praxis steht dies jedoch im Widerspruch dazu, dass Kinder oft nur vertrauten Personen sensible Signale anvertrauen.

Unsere Praxisempfehlung rät daher: Prüfen Sie im Team für jedes Kind und jede Gruppe individuell, ob eine vertraute oder eine neutrale, externe Person den Prozess begleiten sollte. Wo immer es möglich ist, sollten die jungen Menschen selbst entscheiden dürfen, welche Fachkraft sie durch die Methoden begleitet.

Jetzt entdecken: Wichtige Arbeitshilfen & Downloads zum Kinderschutz

Die neue Broschüre ist Teil unseres ganzheitlichen Ansatzes. In unserem spezialisierten Fachbereich Kinder- und Jugendschutz inklusiv bieten wir Ihnen eine Reihe an praxiserprobten Materialien, die Sie modular in Ihrer Einrichtung (Kita, Schule, EFöB/Hort) einsetzen können:

  • Praxisempfehlung (2026): Beteiligung IKJS inklusiv – Unsere neue Handreichung zur aktiven Mitwirkung von Kindern mit Beeinträchtigung am Einrichtungsschutzkonzept.
  • Basiswissen (2025): Grundlagen für den inklusiven Kinderschutz bei der tandem BTL – Das fundierte theoretische und praktische Basiswissen für Ihr Team.
  • Indikatoren-Katalog (2022): Hilfe bei Verdacht auf Kindeswohlgefährdung (KWG) – Eine konkrete Orientierungshilfe, um Warnsignale rechtzeitig und sicher zu deuten.
  • Risikoeinschätzung (2022): Strukturierte Vorlage für den Verdachtsfall – Ein standardisierter Einschätzungsbogen mit dem Fokus Inklusion als Ergänzung zum berlinweitern Einschätzungsbogen bei Verdacht auf KWG

Sorgen Sie für Sicherheit und echte Teilhabe in Ihrer Einrichtung. Besuchen Sie jetzt unseren Fachbereich, laden Sie die Materialien kostenfrei herunter und nutzen Sie diese für Ihre nächste Teamsitzung oder Konzeptionstage!

Hier geht es direkt zum Fachbereich „Kinder- und Jugendschutz inklusiv“

Haben Sie Fragen zur Praxisempfehlung für die Beteiligung von jungen Menschen mit Beeinträchtigung an der Erstellung eines Einrichtungsschutzkonzeptes?

Ihre Ansprechpartnerin:

Franziska Hofmann
Beauftragte Person für Qualität und Kinderschutz
030 443360-251
E-Mail: franziska.hofmann@tandembtl.de

Mehr Informationen zu METACOM https://www.metacom-symbole.de/